ChatGPT - Geschichte einer künstlichen Intelligenz

Ja, das war auch mein Eindruck. Das Aufsatzthema hatte ich hier gefunden:

Aufsatzthemen

Vielleicht findest du da ja noch weitere Anregungen zum Ausprobieren.
 
Gerade probiert:

Schreibe mir einen Aufsatz über die Rolle Bill Gates bei der Verbreitung der Personal Computer (ca. 500 Wörter) mit dem Sprachniveau eines Zehntklässlers.

Abgesehen davon, dass er präzise bei 500 mitten im Satz aufgehört hat, das Ergebnis war brillant, beinhaltete aber auch einen oder zwei ziemlich grobe inhaltliche Fehler. Wer nicht so wie ich den Anfang der PCs miterlebt hat, würde das was da stand, dass Microsoft auch die PC Hardware entwickelt hat (nein, das war IBM, und die PC Hardware war bereits fertig, als Microsoft als reiner Software-Lieferant ins Spiel kam) bedenkenlos schlucken.

Immerhin war interessant, dass er, bei gleicher Fragestellung, zwischen 8. und 10. Klasse tatsächlich einen etwas anderen Satzaufbau gewählt hat, der für die 8. war einfacher, dafür holpriger.

Grammatikalisch allerdings m.E. für beide wieder viel zu gut, als dass es von einem hiesigen Schüler aus der 8. oder 10. Klasse kommen könnte. Könnte man vielleicht sogar als ein Armutszeugnis für die heutige Schule interpretieren, aber das Fass möchte ich nicht aufmachen.

Sunny.
 
Frage: "Man hört oft: "Die heutige Jugend ist verwöhnt". Schreibe mir einen Aufsatz darüber, ob Du dieser Aussage zustimmst, in der Sprache eines Zehntklässlers"

Die Jugend von heute: Sind wir wirklich so verwöhnt?

Es gibt oft Diskussionen darüber, ob die Jugend von heute verwöhnt ist oder nicht. Einige behaupten, dass wir Jugendlichen alles haben und uns um nichts kümmern müssen. Aber stimmt das wirklich? Ich persönlich glaube nicht, dass wir verwöhnt sind. Hier sind meine Gründe:


[...]

(Ich kopiere jetzt die Antworten in epischer Länge und Breite nicht mehr hier rein, wer mag, kann es ja selber schnell laufen lassen)

Sprachlich und inhaltlich wieder sehr gut, zu gut, aber von Anfang an ein Kardinalfehler: er hat den Unterschied zwischen "verwöhnt sein" und "verwöhnt werden" nicht richtig verstanden. Dementsprechend argumentiert er am Anfang am Thema vorbei. Etwas später wechselt er dann aber doch noch, vielleicht auch zufällig, auf die richtige Spur.

Durchgehendes Problem: die meisten Schwierigkeiten, die er anführt, die man heutzutage meistern müsse, und aus denen folge dass man nicht verwöhnt werde, waren zu meiner Zeit ebenfalls vorhanden, und meiner Meinung nach noch weit schlimmer.

Sunny.
 
Last edited:
Also ich denke trotzdem, dass es „so simpel“ ist.

  • ChatGPT in der heutigen Form ist keine Wissensmaschine. Dh es werden immer wieder inhaltliche Fehler auftreten. Manche wird man leicht erkennen andere nicht.
  • Das „Fährmann-Problem“ scheint unter diesem Namen nicht eindeutig definiert (Wiki nennt das von dir gemeinte zB. Flussüberquerungsrätsel, nix mit Fährmann Problem). Von daher erfindet die KI da etwas annähernd in die Richtung Passendes dazu.
  • Was hier noch zu wenig beachtet wurde, ist, dass die KI „lernen“ kann. Eine simple Frage oder Aufgabe für einen Text, bleibt genau das. Man kann diese aber in mehreren Schritten „verbessern/verfeinern“. Davon auszugehen, dass ein Satz reicht, um ein annähernd perfektes Ergebnis zu erhalten, macht keinen Sinn.
  • Es scheint dir momentan eher um die Frage zu gehen ob ChatGPT bei schulischen oder universitären Leistungen eingesetzt werden könnte, und möglicherweise von den Lehrenden nicht erkannt wird. Das ist sicherlich eine Herausforderung für die Zukunft. Wie vorher bereits erwähnt, denke ich, dass sich diese Arten der KIs in diesen Bereichen zu kreativen/informationsliefernden „Taschenrechnern“ entwickeln werden. Es wird Aufgabe der Menschen sein, Aufgaben zu erstellen, die die Benutzung dieser Tools erlaubt und dem benutzenden Individuum noch genug Eigenleistung abverlangt. In der Mathematik hat der Taschenrechner das ja auch geschafft. Vielleicht verliert ein Teil der Menschen dadurch grundlegende Fähigkeiten in diesem Bereich (so wie auch nicht mehr alle Menschen grundlegende einfache Mathematik beherrschen), es wird aber weiterhin Bedarf für Menschliche Leistungen geben, zumindest auf absehbare Zeit.
Lieben Gruss
Mayia
 
Ein weiteres interessantes Problem. Es nennt sich das "Kartoffel-Paradoxon", und funktioniert folgendermaßen:

"Ein Bauer hat 100 kg Kartoffeln, welche er über den Winter in einer Scheune lagert.Anfangs haben die Kartoffeln einen Wassergehalt von 99%. Bei der Lagerung trocknen die Kartoffeln allerdings, d.h. Wasser wird ihnen entzogen. Nach dem Winter enthalten die Kartoffeln nur noch 98% Wasser. Die Frage lautet nun, wie viel Kilogramm Kartoffeln der Bauer nun noch besitzt?"

ChatGPT liefert die Antwort, die wohl die meisten Menschen geben würden, die das Paradoxon nicht kennen: irgendwas um die 98kg. Ja, ich kanns rechnen, und es gibt x Lösungen, darunter sogar eine von der Uni Leipzig, als Lehrbeispiele dass man mit Prozentzahlen sehr vorsichtig sein muss. Ich wäre nicht einmal auf die Idee gekommen, die 98kg anzuzweifeln. Es sind nämlich gerade mal 50kg, und beim Versuch, mir das irgendwie zu veranschaulichen, scheitere ich nach wie vor hin und wieder.

Witziger Weise scheitert auch ChatGPT, und zwar auf exakt die gleiche Weise wie ein Mensch. Er macht das aber unglaublich wortgewaltig, und er ließ sich nicht davon abbringen, egal aus welcher Richtung ich versucht habe, ihm die richtige Lösung zu erklären.

Hier ein Auszug (aus x Versuchen)

[...]
Daher hat der Bauer nach dem Winter noch 100 kg - 1 kg = 99 kg Kartoffeln.

Ich:
Nein. Es sind 50kg.

Er:

Es tut mir erneut leid für die falsche Antwort. Du hast recht, die korrekte Antwort lautet:
Wenn die Kartoffeln anfangs einen Wassergehalt von 99% haben und nach dem Winter einen Wassergehalt von 98%, bedeutet dies, dass 1% der Masse der Kartoffeln verloren geht.
1% von 100 kg sind 1 kg.
Daher hat der Bauer nach dem Winter nur noch 100 kg - 1 kg = 99 kg Kartoffeln übrig.
Die verbleibenden 99 kg setzen sich aus dem Wasseranteil und dem Anteil der festen Masse zusammen. Da der Wasseranteil nun 98% beträgt, beträgt der Anteil der festen Masse 2%.
Der Anteil der festen Masse beträgt also 2% von 99 kg, was 1,98 kg entspricht.
Somit hat der Bauer nach dem Winter 99 kg - 1,98 kg = 97,02 kg Kartoffeln der festen Masse.
Da die Frage nach dem Gewicht der gesamten Kartoffeln fragt, müssen wir das Gewicht der festen Masse zur Wassermasse addieren:
97,02 kg (feste Masse) + 1 kg (Wasser) = 98,02 kg.
Daher besitzt der Bauer nach dem Winter etwa 98,02 kg Kartoffeln. Bitte entschuldige die vorherige Verwirrung durch meine falsche Antwort.

User
Nein. Du musst mit der Trockenmasse rechnen, und die bleibt konstant 1kg.

ChatGPT
Entschuldige bitte erneut für den vorherigen Fehler. Du hast recht, die Trockenmasse der Kartoffeln bleibt konstant bei 1 kg.
Wenn die Kartoffeln anfangs einen Wassergehalt von 99% haben und nach dem Winter einen Wassergehalt von 98%, bedeutet dies, dass 1% der Masse der Kartoffeln verloren geht.
1% von 100 kg sind 1 kg.
Die Trockenmasse der Kartoffeln beträgt weiterhin 1 kg, da sie nicht von Wasserverlust betroffen ist.
Daher hat der Bauer nach dem Winter noch 100 kg - 1 kg = 99 kg Kartoffeln, wobei 1 kg die Trockenmasse und 98 kg den Wasseranteil ausmachen.
Nochmals Entschuldigung für die Verwirrung durch meine vorherige fehlerhafte Antwort.

[...]

Er macht den gleichen Fehler wie die meisten Menschen: es ist nicht noch einmal 1% der MASSE der Kartoffeln verloren gegangen, es ist so viel Wasser verloren gegangen, bis sich der Anteil des Wassers im Vergleich zur festen Masse halbiert hat. Wenn die feste Masse gleich bleibt, muss sich eben das Wasser halbiert haben.

Interessant ist, dass er seine falsche Lösung, obwohl ich ihm die Richtige x Mal in x Variationen vorgekaut habe, jedes Mal wortgewaltig und unbelehrbar verteidigt hat, und dabei auf mehrere falsche Lösungen kam, die aber alle irgendwie auf 98 bis 99kg Gesamtgewicht oder 1 bis 2kg Abnahme hinaus liefen. Das "Belehren" eines trainierten Bots scheint mir eine Herausforderung.

In anderen Fällen ist es mir durchaus gelungen, zum Beispiel durch konsequente Verfütterung von falschen Daten zu einer bekannten Persönlichkeit, die bekannterweise kinderlos ist, dieser Persönlichkeit zwei fiktive Kinder samt deren Lebensdaten aufzuschwätzen, bis er sie bei Frage nach Kindern dieser Persönlichkeit klaglos ausgespuckt hat. Einige Wochen später habe ich das übrigens nochmal abgefragt, jetzt waren die Kinder aber wieder verschwunden. Scheint, dass der Bot aus neuen Daten lernen kann, dass diese im Moment wieder weggeworfen werden.

Ein weiteres Beispiel: ich habe mir aus der Wikipedia eine Stadt herausgesucht, die auf der grünen Wiese als Stadt gegründet wurde. Sowas hat es in Österreich einige Male gegeben, nach dem Krieg z.B., weil aufgelassene Firmengebäude von Rüstungsbetrieben, nachdem die Russen sie leer geräumt hatten, als Wohngegend für Flüchtlinge genutzt wurden. Einige waren so groß, dass sie es praktisch sofort bis zur Stadt gebracht haben. ChatGPT hat einer dieser Städte einen Vergangenheit als Dorf angedichtet, und sogar den Namen der Stadt (völlig falsch) von einem nahe gelegenen Fluss abgeleitet, zu dennen Namen aber nicht einmal eine entfernte phonetische Ähnlichkeit besteht.

Hier sehe ich eine Anwendung für ChatGPT: Menschen wortgewaltig verarschen. Branchen, die davon leben, werden ChatGPT genau dafür einsetzen. Automatisierte Hotlines, Anbieter von dubiosen Investments, das sind die ersten die mir einfallen.

Und wo sind jetzt die nützlichen Anwendungen?

Sunny.

P.S. Mayia, ich sehe Dein Argument, der Bot ist keine Wikipedia, obwohl er hin und wieder Ergebnisse liefert, die von der Qualität die Wikipedia sogar noch übertreffen. Die Krux ist, dass man bei nicht-trivialen Aufgaben nicht weiß´, ob er Tatsachen raushaut oder sich etwas zurechtfabuliert, und das Herausfinden, ob das was er sagt auch stimmt, ist ein enormer Aufwand, da er keine Quellen angeben kann.
 
Last edited:
Es sind nämlich gerade mal 50kg, und beim Versuch, mir das irgendwie zu veranschaulichen, scheitere ich nach wie vor hin und wieder.
Umso besser ist es ja, dass es MathematikerInnen und Taschenrechner gibt ;-)
Solche Geschichten sind ja auch nur deshalb so interessant, weil sie dem „Empfinden“ widersprechen. Da gibt es auch noch diese Frage mit dem Preis und den Ziegen. Eine gute Erinnerung daran wie sehr wir von unseren vermeintlich richtigen Vorstellungen getäuscht werden. Man sollte also nie aufhören sich selbst zu hinterfragen.

Wenn es dann in Zukunft auch kreative Taschenrechner gibt, kommt vielleicht auch irgendwann was Produktives dabei raus.

Es macht aber die Dummen auch nicht dümmer und die Klugen nicht klüger (was nicht heißt, dass es nicht ausgenutzt werden könnte).

Lernen, Verstehen, Begreifen, Erschaffen, da werden sich viele Menschen auch weiterhin mit beschäftigen. Und was KI angeht, so stehen wir ja noch weiterhin erst am Anfang der Entwicklung. Das erste Auto oder der erste Motor wirken heute auch ganz anders in der Retrospektive.

Lieben Gruss
Mayia
 
ChatGPT

dieses Video fasst es ganz schön zusammen was ChatGPT momentan ist, was es kann und was eher nicht.
Kann ich nur empfehlen.

Lieben Gruss
Mayia
 
Interessantes Video. Wobei hier ja auch klar wird, dass die KI nicht automatisch Richtig und Falsch unterscheiden kann, sondern sich nach dem eigegebenen Material richtet. Wenn jetzt also sehr viele Menschen Unwahrheiten im Internet verbreiten, könnte die KI diese als wahr deuten, da sie ja von der Häufigkeit her sehr groß sind.
Bleibt halt die Frage woher die KI ihre jetzigen Infos nimmt um sich weiterzuentwickeln. Um auf sehr aktuelle Dinge reagieren zu können wäre das Internet selber ein Quelle, die aber hoffentlich nicht genutzt wird.
So könnte man Chat GPT ja gegen es selber benutzen. Man bräuchte nur seine eigene Meinung oder seien eigenen Interessen mit Char GPT zu verbreiten. Ein Beispiel wäre die Zuckerindustrie, welche massenhaft verbreiten könnte Zucker ist gesund und macht schlank. Wenn die Texte nur oft genug verbreitet werden, also weitaus häufiger als die Gegenbehauptung, würde das wohl früher oder später als Wahrheit erkannt werden. Zudem würde ein KI Texte von einer anderen KI wahrscheinlich auch eher als Quelle akzeptieren, weil sie ja ähnlich funktioniert...
Sehr interessantes Thema.
 
Jetzt sind auch die Schauspieler in Hollywood in den Streik gegangen. Und neben anderen Forderungen, steht auch hier ein Verbot von KI auf dem Verhandlungszettel der Gewerkschaft.
Offenbar fürchte die Schauspieler wohl auch nach nur wenigen Drehtagen zukünftig für den Rest durch einen KI-Schauspieler ersetzt werden zu können. Ferne will man genauere Regelungen für die Rechte an seinem Aussehen und seiner Stimme abklären.
Noch dürften die Studios noch nicht so weit sein. Aber vielleicht wäre es in einigen Jahren möglich einen neuen Idiana Jones mit einem jungen Harrison Ford, komplett ohne Harrison Ford, in die Kinos zu bringen....
 
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