Ein Dialog-Experiment

Hm. Erst einmal zum Carverschen Dialog:
Das ist stilistisch, sagen wir es mal ketzerisch, ganz, ganz schwach. Einem Autor von geringerem Rang hätte das jeder Lektor ganz furchtbar um die Ohren gehauen.
Das steht aber im krassen Gegensatz zu der Tatsache, dass Robert Altman auf der Grundlage von Carvers Erzählungen ein preisgekröntes Meisterwerk gedreht hat. (Short Cuts, 1993) Ich kann mir nicht vorstellen, dass namhafte Schauspieler sich auf diesen Dreh eingelassen hätten, wenn die Dialoge schwach gewesen wären.
um die Ohren gehauen.
Vor Carver vielleicht. :D


Montez...
 
Last edited:
Das steht aber im krassen Gegensatz zu der Tatsache, dass Robert Altman auf der Grundlage von Carvers Erzählungen ein preisgekröntes Meisterwerk gedreht hat. (Short Cuts, 1993) Ich kann mir nicht vorstellen, dass namhafte Schauspieler sich auf diesen Dreh eingelassen hätten, wenn die Dialoge schwach gewesen wären.

Vor Carver vielleicht.


Montez...

Was hat eine Verfilmung mit stilistischen Schwächen zu tun? Ich habe ja nicht gesagt, dass die Dialogzeilen schwach sind, sondern sein "sagte er, sagte sie" (daher der Fettdruck). Reiche mal als unbekannter Autor ein Buch mit so einem Dialog auf der ersten Seite ein und ein Lektor schickt es dir postwendend sofort wieder zurück, mit dem Hinweis, du mögest dich doch bitte zunächst mit den elementarsten Grundlagen für stilistische Reinheit auseinandersetzen.
 
Hi Plusquamperfect,
nur mal so rein provokativ in den Raum gestellt ...

Du hast Dialog mit stilistisch eindeutig verbunden und zwar mit einem Doppelpunkt.

Oder wie soll ich das
Hm. Erst einmal zum Carverschen Dialog:
Das ist stilistisch, sagen wir es mal ketzerisch, ganz, ganz schwach.
bitte anders verstehen?

Du kennst jeden Lektor? Interessant! Ich liebe Verallgemeinerungen. :D
Ich nehme an, du hast schlechte Erfahrungen gemacht.

Ich gehe davon aus, dass Lektoren mit der Verwendung von inquit-Formeln (er, sie, es sagte ... ) vertraut sind, die durchaus zu den Grundlagen gehören. Ganz nebenbei bemerkt ... Inquit-Formeln sind z.B. für Hörbücher elementar wichtig, oder vielleicht noch näher liegend, beim Vorlesen einer Geschichte. Hätte ich meinen Kindern Geschichten vorgelesen, die keine Inquit-Formeln verwenden, hätte ich mich sehr oft mit der Frage konfrontiert gesehen: "Papa, wer redet denn da jetzt ...?

Insofern liegt Carver gar nicht falsch.

Übrigens: Lektoren sind keine Puristen, die haben lediglich das geschäftliche Interesse des Verlages im Auge.

LG
Montez...
 
Last edited:
Ach, also das war ein Hörbuch? Dann nehme ich natürlich meine Kritik zurück. Ich hielt die zitierte Dialogpassage für einer Kurzgeschichte oder einem Roman entnommen. Mit dem Dialog meinte ich das gesamte von dir gepostete Stück, mit sieben Wiederholungen in sieben Sätzen - von denen ca fünf in einer Geschichte oder einem Roman überflüssig oder einfach nur unbeholfen wirken. Es gibt tatsächlich sowohl in der englischen als auch der deutschen Sprache das eine oder andere Wort mehr als "sagte", was eventuell sogar dir bekannt ist.

Nein, ich kenne nicht jeden persönlich und habe auch noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, weil alles, was ich bislang eingereicht habe, anstandslos veröffentlich wurde.

Hm, Lektoren sind keine Puristen? Kennst du sie alle persönlich, oder wie kannst du so eine Aussage treffen? :rolleyes:
 
„Guten Morgen. Du siehst schrecklich aus. Hier, trink etwas Wasser, du bist ja total dehydriert", sagte sie.

„Morgen. Wenn du jetzt Kopfschmerztabletten hast, heirate ich dich. Oder sind wir vielleicht schon verheiratet? Ich hab keinerlei Erinnerungen an letzte Nacht", sagte ich.

„Du hast dir erst die Seele raus gekotzt und bist dann hier in meinem Bett eingeschlafen. Da blieb recht wenig Zeit für irgendwelche bourgeoisen Riten. Du kriegst deine Kopfschmerztablette auch ohne Eheversprechen. Hier, aber besser wäre es, wenn du vorher was essen würdest. Soll ich uns Frühstück machen?" fragte sie.

„Essen ist so ziemlich das Letzte, was ich mir vorstellen kann. Ich hoffe, ich habe dich nicht noch unsittlich berührt?" fragte ich.

„Nein, das war alles sehr sittsam. Du hast mir unter den Rock gefasst, als wir uns geküsst haben, aber nach deinem Abgang aufs Klo, wo du fast eine Stunde zugebracht hast, war mit dir rein gar nichts mehr anzufangen", sagte sie.

„Tut mir echt leid. Ich trinke selten und vertrage noch weniger", sagte ich.

Sie lächelte fein und stand auf. Sie hatte nackt geschlafen. Für eine Frau ihres Alters hatte sie sich prächtig gehalten.

„Was schaust du mich denn so an?" fragte sie.

Ich sagte: „Du bist wunderschön."

Sie sagte: „Ja, ich weiß. Das hast du mir gestern auch schon gesagt. Und hunderte Männer vor dir."

„Hunderte, hm? Respekt", sagte ich.

„Es ist immer noch genau so aufregend wie beim ersten. Glaubst du man ist weniger geil, wenn man älter wird? Nur die Gelegenheiten werden seltener", sagte sie.

„Ich fürchte dieser Morgen wird nicht zu diesen zählen, es sei denn, diese Kopfschmerztablette ist auch gut gegen emotionale Katerzustände", sagte ich.

„Du hast dich wegen einer Frau besoffen, nicht wahr? Du machtest den Eindruck, also ob du jemanden ersäufen wolltest. So, wie ich dich einschätze war es eine Frau, die dir wichtig ist?" fragte sie.

„Ja ... meine beste Freundin ... die zufällig auch noch die Frau ist, die ich liebe", sagte ich.

„Ich verstehe. Ich persönlich könnte mir nichts Besseres vorstellen, als eine echte Freundschaft als Basis für eine Beziehung zu haben. Ich mach uns jetzt einen Tee", sagte sie.

Mein Dialog nach Carverschem Muster aufgepeppt. Ich hoffe, du liest ihn trotzdem nicht deinen Kindern vor.
 
Last edited by a moderator:
Gut gemacht. :) Meine ich in jeder Beziehung. Einerseits ist es die Mühe, die du dir gemacht hast und andererseits bedient es die Diskussion, die Kojote über seinen Dialog auslösen wollte.

Dann war das "Ping-Pong-Spiel" der Beteiligten dieses Freds, trotz der emotionalen Einschübe, irgendwie doch fruchtbar.

Das Textbeispiel von Carver ist nur ein kleiner Ausschnitt. Kojote verlangte nach einem Beispiel.

Interessanter fand ich noch die Umsetzung eines Carverdialogs im weiter oben verlinkten Kurzfilm. Klar, das kann man nicht ganz vergleichen, da das Medium Film mit der Bildwirkung operieren kann. Der Film verzichtet auf Inqit-Formeln, weil man sieht, wer spricht.

Meinen Kindern würde ich deinen Text nicht vorlesen. Sie haben als Volljährige andere Interessen.

BoD und e-book haben das Veröffentlichen für Autoren deutlich erleichtert.
Nicht umsonst haben diese Veröffenlichungsformen mittlerweile einen festen Platz in der Literaturwelt.

LG
Montez...
 
Last edited:
Hosen runter!
Wer solche Andeutungen macht, muss auch liefern!
:D


Aber mal davon ab:
Ich habe den Eindruck, dass du die üblichen 0815-Geschichten über hast.
Ein normaler Ablauf hat keine Reiz mehr. Interessanter wäre es also beispielsweise, wenn aus diesem Dialog eien Vergewaltugung hervorgehen würde, die zu einem Racheakt führen könnte. Oder doch zu einer Liebe ala Stockholm-Syndrom?

Wenn du das schreibst, dann schreib ich danach vielleicht was...

nee, aber im Grunde nicht. Ich glaube nicht, dass Dialoge unbedingt meine Stärke sind... Irgendwie klingen sie nie besonders natürlich...
 
@ AJ
Huh... @ AJ...
Eines muss ich vorweg nehmen: Wenn du anfängst ausführlich zu werden, dann kann muss man sein Gehirn einschalten, um deine Posts zu lesen. Müdigkeit oder Unkonzentriertheit sind da tödlich...

Ich versuche es mit einer (hoffentlich) einfachen und kurzen Antwort:
Stellenweise hast du Recht.
Zusammengefasst habe ich deinem Post die Aussage entnommen, die ich auch nach dem Hin und her den Posts von Monty entnommen habe:
Dialoge sollten gut sein.
Nicht wie in 'ein Auto braucht einen laufenden Motor, um zu fahren', sondern eher wie in 'ein Auto braucht einen guten Motor um gut zu fahren'.
Und gut ist in diesem Zusammenhang eine Frage von Stil, Auslegung und noch so einigem mehr.

Was andere deiner Aussagen angeht, bin ich nicht deiner Meinung. Das liegt aber schlicht und ergreifend daran, dass du deine Deutung bestimmter Schlagworte 'aufgedrängt' hast, anstatt nach meiner Deutung (die hinter meinen Aussagen stand) zu fragen.
Ein Beispiel dafür ist deine Deutung von 0815, die ein geflügeltes Wort aus meinem Wortschatz in das Bedeutungskorsett deines Wortschatzes zwängt. Ich kenne aber durchaus auch andere Auslegungen dieses Begriffes und weiß auch, dass sie allgemein so verwendet werden.

Interessant fand ich die Warnung vor 'schlechten Angewohnheiten', die ich aus der Beschäftigung mit manchen Themen mitnehmen könnte.
Danke dafür!

Übernehmen will ich übrigens gerne deine Kategorisierung von T., U. & H.-Literatur. Auch wenn das von dir ja zerfasert wurde, weil du dem Dialog als solchen hervorgehoben hast, ist es in meinen Augen doch der springende Punkt.
Nicht zuletzt, weil hinter den Begriffen auch Zielsetzungen und Zielgruppen stehen, die ich für sehr bedeutsam halte. In der Unterhaltungsliteratur beispielsweise der Fokus auf den reinen Unterhaltungswerteines Stückes.

Weißt du… Es gibt tatsächlich einen echten, bedeutsamen Unterschied zwischen uns, den ich an dieser Stelle mal versuchen will in Worte zu fassen: Für mich ist wirklich interessant, was geschildert wird. Der Inhalt. Die Idee. Die Phantasie hinter der Erzählung. Wie es erzählt wird, ist zweitrangig, solange es den Grundregeln der deutschen Sprache entspricht.
Für dich (habe ich den Eindruck) ist das ‚Wie‘ aber bedeutsamer. Bedeutsamer als für mich und vielleicht bedeutsamer als das ‚Was‘.

Das ist okay. Sorgt aber dafür, dass wir von völlig unterschiedlichen Standpunkten aus an die Sache heran gehen. Also nimm es mir nicht übel, dass ich nicht alle deine Aussagen annehmen kann. Sie treffen für mich einfach teilweise nicht zu, auch wenn mich das für immer davon abhält, ein Carver zu werden.
Ich sagte es ja schon: Ich wäre lieber ein Feist. Ganz bestimmt nicht der größte Literat unter der Sonne und wahrscheinlich hast du nichts von ihm gelesen. Er schreibt einfach, auch wenn sein Stil sich seit den 80ern natürlich entwickelt hat. Aber er schreibt noch immer an dieser einen Geschichte und ich liebe diese Geschichte. Zu erreichen, was er erreicht hat, würde mich glücklich auf mein Leben zurückblicken lassen.
Im Gegensatz zu so vielen, tollen und technisch eindrucksvollen Autoren erfüllt er mich nämlich mit diesem schwer fassbaren ‚Sense of Wonder‘.


@ Diskussion zwischen Monty und Pqp
Was ich aus der Beobachtung eurer Unterhaltung entnehmen kann ist, dass es tatsächlich einfach unterschiedliche Standpunkte und auch Ebenen gibt, auf denen sich Autoren bewegen.
Da kann mir einer noch so oft sagen, dass der Unterschied zwischen den groben Literaturgattungen (sie oben und AJ) zweitrangig gegenüber der reinen Schreibtechnik ist. Hier wird es wieder deutlich.

Das ist natürlich okay. Und ich will auch noch einmal sagen, dass ich im Grunde dankbar für alle Mühen bin, die sich Monty und AJ geben, hier auf das Potential hinzuweisen und sich schweigend über eine gewisse Mittelmäßigkeit den Kopf zu schütteln.
Macht bitte gerne weiter damit!

@ Pqp
Danke für die Darstellung einer anderen Sichtweise in dieser Diskussion. ;)

@ Munachi
Der Gedanke kam mir spontan und ich fand ihn auch interessant. Aber wir wissen ja auch, dass eine solche Geschichte gleich wieder Zeter und Mordio hervorrufen würde.
Sollte mich das abhalten? Eigentlich nicht, aber es kommt noch hinzu, dass ich mich wirklich immer überwinden muss, ein BadAss zu charakterisieren. Auch hier muss ich noch üben.
Naja… Vielleicht nehme ich das zum Anlass… :D
 
aber "badass" sollten doch eigentlich die besten charaktere... naja, aber so wirklich gut schreiben kann ich sie auch nicht... aber einer meiner lieblingscharaktere ist zum beispiel ron aus "element of fear" (einer meiner co-stories mit pqp) - dessen storyteile hat natürlich pqp geschrieben... das war glaube ich noch bevor wir uns persönlich kannten... na ja, das war seine art mir den hof zu machen sozusagen... hehe...
 
Ich sollte die Story wohl mal lesen, was? ;)

Mein Problem ist, dass ich dazu tendiere, den Badasses dann doch irgendwtas zu geben, was sie letztlich gar nicht so bad und assig macht.
Sie sind dann vielelicht nicht unbedingt Mr. Niceguy, aber eben auch kein Jigsaw...
 
Kojote: On/Off

Wo bitte befindet sich der (Aus-)Schalter?
Was mich an deiner Lesart – auch bzgl. MonteZs Weisheit – stets verwundert, ist dein Aufdecken irgendeines Sollens, von dem keine Rede nirgends ist. Falls meine Beiträge als Moralverschreibungen ex cathedra rüberkommen, so interessierte mich, ob dies herrührt von Rezipienten- oder Textseite. Ist Letzteres der Fall, so möge der geneigte Moralanästhesist bitte nicht sich scheuen Vorschläge zur Linderung des Moralinpegels anzubringen.

Zu 08/15: Literarisch kann man für diesen Begriff – natürlich! – unterschiedliche Betonungen setzen. Ich denke, meine habe ich explizit gemacht: Es geht um «standard scenarios», um «Klischees der Sicht», um Texte nach festgefügtem (Genre-)Schema, übervölkert von Stereotypen, ohne zündende Ideen und sw. usf.
Wo du die Betonung setzt ist mir nicht klar. Ist 08/15 für dich so eine Art abstraktes Mittelmaß oder einfach nur Floskel zur Beurteilung eines Textes, dem du letztlich indifferent gegenüber stehst, der dich also weder gepackt noch verärgert oder gelangweilt hat?

T/U/H-Grundirrtum ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Den diesen Irrtum propagierenden Akademikern scheint’s damit letztlich nur um die Verschanzung in ihrem literaturwissenschaftlichen Elfenbeinturm zu gehen, den sie von jedweden Populärkultureinfluss reinzuhalten suchen. Aber das ist nur ein Teilproblem einer ganzen akademischen Disziplin, die in der Hauptsache längst schon nicht mehr literarische Werke als eigentlich wichtig ansieht, sondern die Theorien über diese (oder was auch immer sie als Text klassifiziert) für weit bedeutsamer erklärt.
Aber ich schweife ab. Mein Einwand gegen jenen Grundirrtum ist schlichtweg der, dass die von ihm propagierte Kategorisierung keine adäquaten Aussagen darüber trifft, wie gut irgendein beliebiges literarisches Werk tatsächlich ist. Anders gesagt: In der grundirrtümliche Einteilung in T/U/H-Literatur erfahren wir nichts über gute Literatur, denn so gute wie schlechte Werke finden sich in allen drei irrtümlichen Kategorien – und damit ist in Sachen Literatur nichts gewonnen*.
Du kannst dir denken, dass ich also auch bezweifle, dass die Schreibe irgendeines Autors durch diesen Grundirrtum gewinnt**. Eher fallen sie noch dem Andorra-Effekt anheim.

Wie und Was des Erzählens lassen sich nicht auseinander dividieren. Jedes Wie bedarf eines Was, und jedes Was setzt immer schon ein Wie voraus. Hierarchisierungen zwischen den beiden sind also schlichtweg sinnlos: Nur in ihre Gänze können sie gedacht und bedacht werden – sowohl von Erschaffer wie Rezipient.
Oder kannst du mir sagen, warum Hierarchisierungsversuche in diesem Punkt nicht sinnlos seien?

Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Redest – nicht nur im letzten Punkt – von diffusen Empfindungen oder reflektierten Meinungen? Ich nahm bislang (um des Diskussionsgegenstands willen?) letzteres an, aber vielleicht geht’s dir ja gar nicht um rationale Auseinandersetzung mit dem Stoff, sondern lediglich um Gefühlsaustausch. Wenn dies der Fall ist, so entschuldige ich mich, dass ich dich hier zuschütte mit argumentativ-theoretisierender Quacksalberei. Möge dein Bauchgefühl sein, wie auch immer es sei. Es liegt fern des intersubjektiven Nachvollzugs, der Voraussetzung ist für eine rationale Auseinandersetzung über die angeschnittenen Literaturfragen.

* Wie gesagt: Dünkel und Eitelkeit mögen für manchen starke Triebfedern sein, wenn stolz nur „Klassiker“ und so-genannte Hochkammliteratur im Bücherschrank (ungelesen) abzustauben sind, während unterm Bett jeder neue Pulp-Masters-Band nach einer Woche schon aussieht, als hätte er eine Weltreise hinter sich.
** Denn gerade übertriebene Vereinfachungen, wie U-Literatur wolle nur unterhalten, lassen völlig unter den Tisch fallen, dass alle (gute) Literatur das will, dass wir letztlich genau deswegen Literatur wollen: Wir streben nach Lustgewinn. Jener Grundirrtum hingegen verschmäht implizit (und teilweise auch explizit) Unterhaltung und Lust an Literatur. Und das hat verheerende Konsequenzen, vor allem für vor dem Hintergrund des T/U/H-Grundirrtums gefällte Aussagen über gute Literatur (wobei bspw. implizit jede H-Literatur a priori und also ohne Zweifel als gut gesetzt ist, was schlichtweg nicht der Falls ist).

---

Beste Grüße,
–AJ
 
BoD und e-book haben das Veröffentlichen für Autoren deutlich erleichtert.
Nicht umsonst haben diese Veröffenlichungsformen mittlerweile einen festen Platz in der Literaturwelt.

LG
Montez...

Der deutsche Markt entwickelt sich in dieser Beziehung gerade erst. Größere Verlagshäuser wie Bastei fahren da auch zweispurig, d.h. Bücher erscheinen dort sowohl als Paperback, als auch als E-Book. Im englischsprachigen Raum haben E-Books gerade im Bereich Erotica herkömmlichen Büchern längst den Rang abgelaufen.

Man hat natürlich auch die Möglichkeit seine Geschichten selbst zu verlegen und promoten, was mir persönlich zu viel Arbeit wäre - meine Geschichte "My little witch" wird aber im November oder Dezember in einer Anthologie von erotischen Weihnachtsgeschichten erscheinen, die von einem anderen Autoren zusammengestellt und selbst verlegt wird - bin gespannt, was dabei am Ende rumkommt ... :)
 
Last edited by a moderator:
bin gespannt, was dabei am Ende rumkommt ... :)

Dann drück ich dir/euch mal die Daumen. Man wird dadurch reich, was sich aber nicht unbedingt in Euro ausdrücken muss. :) Zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Bei Amazon stehts immer noch drin, obwohl die Auflage längst vergriffen ist. :)

Montez...
 
Ich sollte die Story wohl mal lesen, was? ;)

Mein Problem ist, dass ich dazu tendiere, den Badasses dann doch irgendwtas zu geben, was sie letztlich gar nicht so bad und assig macht.
Sie sind dann vielelicht nicht unbedingt Mr. Niceguy, aber eben auch kein Jigsaw...

klar... man muss ja mal für seine stories werben dürfen...

aber dass kein Badass nur böse ist, ist eh klar. Irgendwie müssen Figuren ja immer dreidimensional sein. Und es macht sie im Grunde auch beängstigender, wenn sie eben nicht nur ein gleich erkennbares Monster sind.

aber etwas verrückt sollten sie auch sein, und sehr von sich überzeugt... naja, ich mag bad-ass charaktere in geschichten, wenn sie gut geschrieben sind, wie man merkt...
 
klar... man muss ja mal für seine stories werben dürfen...

Auf jeeeden!

aber dass kein Badass nur böse ist, ist eh klar. Irgendwie müssen Figuren ja immer dreidimensional sein. Und es macht sie im Grunde auch beängstigender, wenn sie eben nicht nur ein gleich erkennbares Monster sind.

aber etwas verrückt sollten sie auch sein, und sehr von sich überzeugt... naja, ich mag bad-ass charaktere in geschichten, wenn sie gut geschrieben sind, wie man merkt...

Ich würde mein Problem eher im dem Bereich identifizieren, wo es die eigene Moral betrifft. Irgendwie denke ich mir, dass es solange kein richtiger 'Sprung' ist, bis man gegen die eigenen Tiefsitzenden Moralkodizes verstößt.
Also the Badass gegen diejenigen des Autors.
Ich denke du verstehst, was ich meine... Ne Art Überwindung eines ganz anderen, inneren Schweinehunds... :D


Mmh... Ich stelle gerade fest, dass ich mich diesem Problemchen wohl im Moment versuchsweise stelle, indem ich jemanden porträtiere, der Frauen schlägt... Aber vielleicht auch nicht, denn sie steht drauf... Ach ich weiß auch nicht...
 
Last edited:
das verstehe ich jetzt wieder nicht ganz, das mit der moral... du hast probleme, deine charaktere was gegen deine moral tun zu lassen?

hmja, das kommt wahrscheinlich auf die identifikation an... da ich mich normalerweise nicht mit dem badass einer geschichte identifiziere, sondern wenn dann mit dessen counter part, habe ich dieses problem natürlich eher nicht... und stimmt, es gibt schon auch charaktere in geschichten, die ich nur auf bestimmte art schreiben kann, weil sie nur so für mich persönlich sinn machen...
 
das verstehe ich jetzt wieder nicht ganz, das mit der moral... du hast probleme, deine charaktere was gegen deine moral tun zu lassen?
Ja genau. Zumindest bei Protagonisten neige ich dazu.
Allerdings mit Abstufungen.
Hat vielleicht was mit meinem Hintergrund als Rollenspieler zu tun...
 
Ja genau. Zumindest bei Protagonisten neige ich dazu.
Allerdings mit Abstufungen.
Hat vielleicht was mit meinem Hintergrund als Rollenspieler zu tun...

Du solltest mehr Spielleiter machen, da musst du deinen wichtigsten NPCs ständig gegen deine moralischen Grundsetze verstoßen lassen. Wenn du gerade wieder in den Geist eines Fantatischen Bischoffs, oder eines chaotisch bösen roten Drachen eintauchst, um dann wieder die intrigante Prinzessin spielen zu müssen ;)
 
Du solltest mehr Spielleiter machen, da musst du deinen wichtigsten NPCs ständig gegen deine moralischen Grundsetze verstoßen lassen. Wenn du gerade wieder in den Geist eines Fantatischen Bischoffs, oder eines chaotisch bösen roten Drachen eintauchst, um dann wieder die intrigante Prinzessin spielen zu müssen ;)

Das ist nicht so einfach. Und der Grund dafür ist etwas komplexer...
Es ist nicht so, dass ich das nicht kann. Im Gegenteil. Ich konnte einem Charakter in Person des Teufels ein tolles magisches Schwert abschwatzen und ihm einen Seelenräuber dafür aufs Auge drücken, der ihn langsam auch selbst auffrisst. In vollem Bewusstsein ds Kleingedruckten seitens des Spielers.
Früher...

Mittlerweile mache ich aber schon seit vielen Jahren primär Rollenspiel mit meiner Freundin. Und nur mit ihr. Auf eine Art und Weise, die dann zu Geschichten wie Bitch führt. Eine aufgearbeitete und etwas veränderte Wiedergabe zweier Spielabende...

Problemstellung: Die Interaktion wird persönlicher und direkter. Aus den NSC's werden schnell temporäre SC's. Und das wirkt sich aus.
Liegt natürlich daran, dass ich immer in der Summary ein wenig von mir einbringe und einen 'guten Eindruck' bei meiner Partnerin hinterlassen will. Sie soll die Typen mögen können und so weiter...

Das überträgt sich dann eben. Vor allem auf meine männlichen Protagonisten. Bei den Frauen habe ich da weniger Probleme. Bin aber auch großzügiger bei den Charaktereigenschaften (soll heißen: Frauen dürfen sich mehr erlauben, bevor sie badass sind).

Ich hoffe das ergibt einen Sinn für dich?

Und es ist kein unüberwindliches Problem. Nur imuss ich mich dem auch erst einmal stellen...
 
und jetzt das alles nochmal für welche die nicht wissen wovon ihr redet? was sind nsc und sc? und warum soll es einen guten eindruck hinterlassen? und warum können sich frauen mehr erlauben? und was ist ein seelenräuber?
 
Ohhh... Sorry...!
Also: NichtSpielerCharakter und SpielerCharakter.
Begriffe aus dem Bereich der Pen & Paper Rollenspiele (also Rollenspiel ohne Computer, aber auch normalerweise ohne Live Action / Reanactment 0 am Tisch in gemütlicher Runde), die jeweils Figuren-Kategorien bezeichnen.
SC's sind dFiguren, die von einem Spieler gestuert und mit Inhalt gefüllt werden (meistens 1 SC pro Spieler).
NSC's sind Figuren ohne Spielersteuerung, die vom Spielleiter kontrolliert werden. Das ist der Typ, der den Handlungsfaden spinnt und die Spiler (in Form ihrer Charaktere) vor zu lösende Aufgaben stellt. Sozusagen der Autor einer Geschichte, in der einige Protagonisten eben nicht seiner Kontrolle unterstehen, sondern von anderen gesteuert werden.

Ich hoffe, dass war jetzt nicht zu wenig erschöpfend als Einblick ins Rollenspiel.

Zum guten Eindruck:
Wenn du das een gesagt nun auf eine Konstellation von einem Spielleiter/Autor und einem Spieler sett, die in einer Beziehung stecken, bei der auch sexuelle Handlungen nicht ausgeschlossen sind, bietet das... Möglichkeiten (denk an den Obergremlin aus Gremlins 2 für den Klang dieses Wortes...).
Man kann quasi mal aus der üblichen Rolle, die man in seinem eigenen Leben so spielt, in eine gaaaanz andere Rolle schlüpfen.
Die klassichen Beispiele wären ezt Conen + Red Sonja oder Sorsha + Madmartigan aus Willow oder Han und Leia aus Star Wars oder, oder, oder...
Und da die Handlung ja nun mal freier bestimmbar ist, als bei diesem Beispielen, können die Personen auch ins Detail bezüglich der Sachen gehen, die hinter den Kulissen passieren.

Aber damit das ganze auch einbringt, was es soll, nämlich eine andere Atmosphäre und vielleicht die Erfüllung des einen oder anderen Phantasiegebildes, sollte (zumindest wenn wir jetzt mal alle noncon-kinks außen vor lassen) ja auch die passende, romantische Stimmung aufkommen.
Soll heißen: Wenn es zwischen den Charakteren nicht funkt, dann flutscht da auch nichts. Und deswegen will man natürlich Charaktere projizieren, die dem Partner und Mitspieler sympathisch genug sind, um... neje... eben zu ficken.


Nun zunächst der Seelenräuber:
Das war eine Anekdote. Stell dir einen Krieger vor, der ein Schwert erhält, das die Seele eines Drachen beinhaltet. So ein Art BigFuckingGun für Fantasy-Krieger.
Und eines Nachts besucht ihn ein Dämon und schwatzt ihm das Schwert im Tausch für ein anderes Schwert ab. Eines, das die Seelen seiner Opfer frisst. Und auch jedes Mal ein Stück von der des Besitzers.
Würzen wir das Ganze noch damit, dass dieser Krieger echt einer von der guten Sorte war. Ehrlich, anständig und reinen Gewissens, weil er immer nur die Bösen tötete. Und damit, dass der Spieler dieses Kriegers ganz genau wusste, wie schlecht der Tausch eigentlich war, weil ich ihm haufenweise Hinweise gegeben habe.

Er hats trotzdem gemacht. Bin ich nicht ein guter Verkäufer?
Wobei mir gerade einfällt: Ich hätte das auch was für dich, das dich bestimmt interessiert… *muhuahua*
:D


Und nun zum letzten Punkt, der den Rollenspielbereich verlässt und in die reale Welt geht:
Frauen können sich bei mir mehr erlauben, als Männer, bevor ich sie abstempele. So ist das einfach für mich.
Es liegt daran, dass Frauen gerade in moralisch verwerflichen Dingen geschickter und eleganter agieren, als die typischen Männer und ich mehr Interesse daran habe, einen gut umgesetzten betrug oder eine Manipulation mit anzusehen, als etwas Plumpes.
Außerdem sind meine Moralvorstellungen unkonventionell und ich bin philosophischer Satanist. Völlig kranker Typ also.

Noch Fragen?
:D
 
und jetzt das alles nochmal für welche die nicht wissen wovon ihr redet? was sind nsc und sc? und warum soll es einen guten eindruck hinterlassen? und warum können sich frauen mehr erlauben? und was ist ein seelenräuber?

NSC = Nicht-Spieler-Charakter, hat keinen Bezug zu den Mitspielern, ist nur zur Untermalung eingebaut.

SC = Spieler-Charakter, steht im Spiel in einem emotionalen Verhältnis zu mindestens einem Mitspieler.

Warum können sich Frauen mehr erlauben? Weil sie Frauen sind. Isso. Beispiel: Frau kann andere Frau fisten und immer noch behaupten, sie sei nicht lesbisch, sondern....naja, könne sich nicht entscheiden. Mann darf zu anderen Mann dagegen nicht mal "Schätzchen" sagen, ohne sofort unter Schwulen-Verdacht zu geraten (OMG, ein Mann, der sich...entweder nicht entschieden hat (igittigitt) oder sich glasklar (sonst wär er kein Mann) entschieden hat, nämlich dass er nur auf Männer und sonst nix anderes steht). Sei froh, dassde ne Frau bist.
 
naja, ich glaube aber das problem machen sich die männer zumindest zum teil selbst (klar machen frauen da dann meist auch mit - aber nicht nur...)

ansonsten... hm, interessant... ich finde die idee von rollenspielen schon interessant an sich, auch wenn ich mich damit gar nicht auskenne (aber ich war eins von den kindern die ständig verkleiden gespielt haben, deshalb ist jede art von so tun als ob interessant...)

ich hab mal hier im forum eine weile versucht im sexual role play forum mitzumachen, war aber insgesamt eine eher frustrierende erfahrung...

ach ja und freunde von mir hatten mal ein kartenspiel das wohl eine parodie von rollenspielen war. da ich die entsprechenden rollenspiele nicht kannte, konnte ich die parodie natürlich nicht nachvollziehen, aber das spiel war trotzdem lustig...

ansonsten... ja, interessant, das alles... aber ich schätze dass mich eben auch gerade in rollenspielen die badass charaktere interessieren würden... weiss nicht, vielleicht irre ich mich ja auch... ich weiss halt nur, dass ich sie in geschichten, die ich lese, oft interessant finde (allerdings nur wenn sie entsprechend geschrieben sind, die meisten sind das leider nicht...)

ähm, und... kann mal jemand pp sagen, dass ich mir als frau mehr erlauben darf und er damit zufrieden sein soll?
 
und warum können sich frauen mehr erlauben?
der rest wurde ja schon Beantwortet ;)

Ich vermute Frauen können sich deshalb mehr erlauben, weil sie einfach selbst dem "schwachen" Geschlecht angehören. In unserer recht Femininen Gesellschaft(ich rede von Deutschland) hat sich sowas wie ein kleiner "Politisch Korrekter Kodex" gebildet.
Ich will es mal an ein paar Beispielen erleutern:
Nur ein Jude darf über Israel/Juden lästern
Nur ein Schwarzer darf Neger zu seinen Landsleuten sagen
Nur ein Moslem darf über den Islam lästern
Nur eine Frau darf über Frauen lästern
...

Natürlich können es andere auch machen, aber diese setzen sich dann in unserer Politisch Korrekten Welt sehr unterschwälligen Vorwürfen aus.
Stellt euch z.B. vor nicht Charlotte Roche sondern Johannes B. Kerner hätte das Buch "Feuchtgebiete" geschrieben. Gleicher Inhalt, gleicher Text, anderer Autor. Neben der Tatsache, dass es sich vermutlich schlechter verkauft hätte, hätte sich Kerner vermutlich sofort massiver Kritik als menschliches Ekel, Matcho etc, anhören müssen. Wenn er nicht sofort aus dem Fernsehn hätte zurücktreten müssen.

Vielleicht liege ich mit dieser These Falsch, aber so ist zumindest der Eindruck den ich habe.
 
Back
Top